Bullshit!

Emperor_Clothes_01In einem Rundschreiben teilt die RWTH Aachen seit heute mit, dass das Rechen- und Kommunikationszentrum rückwirkend seit Jahresbeginn IT Center heißt. Aha.

Unter einem Rechenzentrum kann ich mir etwas vorstellen. Da sitzen erfahrene Menschen an teurer Hardware und Konfigurieren sich den Wolf, damit die nervigen Nutzer aufhören zu quengeln. Sie sorgen dafür, dass die DAUs unter den Angestellten und Studenten keine Bot-Netze einschleppen, dass die Server immer laufen und dass der Mail-Server der Uni weltweit eine weiße Weste hat. Nebenbei stellen sie sicher, dass das Internet nicht plötzlich weg ist und okkultere Dienste wie ein WPA2-Enterprise-WLAN und VPN laufen. Und Backups machen sie auch, sogar für alle.

Unter einem IT Center stelle ich mir einen Spätpubertierer in einem Callcenter vor, der ausgerüstet mit gefährlichem Halbwissen und bar jeder Motivation telefonische Beschwerden in ein Webformular einträgt. Dabei bezeichnet er User als Kunden um so zu tun, als sei die eigene Arbeit eine besonders hochwertige Dienstleistung.

Was soll das ganze?

Muss das sein? Was ist an Rechenzentrum denn so verkehrt? Die Uni entblödet sich doch auch nicht Jahre nach der Umstellung auf Bachelor und Master wieder Diplome vergeben zu wollen. Wobei ich die reine Umstellung auf Englisch ja sogar verstehen kann, aber dann doch bitte richtig. Data Center oder von mir aus Network Operations Center (kurz NOC).

Selbst ein Schüler der Mittelstufe kann bei Wikipedia mit einem Klick herausfinden, dass mit dem deutschen Artikel Rechenzentrum der englische Artikel Data Center verknüpft ist. Gibt man hingegen IT Center ein, melden sowohl die deutsche als auch die englische Wikipedia, dass es diesen Begriff nicht gibt. Toll.

Die RWTH Aachen ist eine Universität, kein Lifestyle Produkt. Was kommt als nächstes? Die Umbenennung der Fakultäten 1 und 4 in Science Center und Machine Center?

Was wir ganz dringend brauchen, sind Senatoren, die sich trauen im passenden Moment einfach mal aufzustehen und Bullshit zu rufen. Am besten mit einer Ausgabe vom Märchen Des Kaisers neue Kleider in der Hand.

Bild: laut Wikipedia gemeinfrei.

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Es regt mich auf

Jeden Tag sehe ich behinderte Menschen, die ihr Leben trotz des teils deutlich erhöhten Schwierigkeitsgrads meistern. Den meisten kann man ansehen, dass sie den Widrigkeiten des alltäglichen Lebens mit einer Art gelassener Routine begegnen, die ich mir nicht vorstellen kann aufzubringen. Dämlich platzierte, hohe Bordsteine, Schlaglöcher und unnötige Stufen, die ich kaum Wahrnehme, stellen beispielsweise für Rollstuhlfahrer teils unüberwindbare Hindernisse dar; die meisten lassen sich umfahren, auch wenn ich mir das unglaublich nervig vorstelle.

Um so mehr ärgert es mich, wenn Menschen aus Faulheit oder Dummheit Hindernisse errichten, die auch von einem erfahrenen Rollstuhlfahrer nicht umfahren werden können. Zwei solche Hindernisse treten bei mir auf der Arbeit regelmäßig auf und man kommt sich wie Sisyphus vor, wenn man versucht etwas dagegen zu tun.

Zum einen blockieren LKWs regelmäßig den einzigen barrierefreien Zugang zum Altbau des Informatikzentrums auf der Hörn. Es soll zwar im Haus eine Rampe aufgestellt werden, um drei unseelige Stufen zu entschärfen, aber diese Rampe lässt auf sich warten – seit Jahren; es gab mal ein Provisorium, aber das ist auch wieder verschwunden. Daher bleibt Rollstuhlfahrern, die in die Hörsäle AH I – III oder zu den Informatiklehrstühlen 10 und 11 wollen, nur die Möglichkeit über den Parkplatz zu einem Nebeneingang zu fahren (der im Gegensatz zum Haupteingang keine elektrisch öffnenden Türen hat). Der letzte Teil dieser Strecke ist ein gepflasterter Weg, der ziemlich genau einen LKW breit ist und mehrmals die Woche von eben solchen als Parkplatz missbraucht wird, wie hier:

Es ist besonders schön zu erkennen, dass die Anzahl der alternativen Parkplätze vollkommen irrelevant ist; hier wird aus Gewohnheit und Prinzip geparkt. Wenn man die Fahrer darauf anspricht (selbst jene, die bei der RWTH angestellt sind), dass der Weg jetzt komplett verstopft ist und die Rasenfläche für Rollstuhlfahrer keine Alternative darstellt, kommt immer nur die Ausrede, dass man ja „sofort wieder weg“ sei. Dieses „sofort“ ist übrigens in der Regel 15 bis 20 Minuten lang und der einzige behinderte Student mit dem ich regelmäßigen Kontakt habe, hat mir auch sofort bestätigt, dass er hier schon mehrfach Warten musste, weil der Rasen zu schlammig gewesen sei. Aber selbst wenn der Rasen durch einen Rollstuhl befahrbar ist, kann dies ja wohl kaum die Lösung sein!

Zum anderen Hindernis kommt man, wenn man eben jenen Weg passieren und ins Gebäudeinnere vordringen konnte. Dort gibt es einen Aufzug, der zwar seit Jahr und Tag die merkwürdigsten Geräusche von sich gibt und dessen Türen manchmal erst nach dem dritten Versuch beschließen auch wirklich geschlossen zu bleiben, aber immerhin seine Aufgabe zuverlässig erfüllt. Seit kurzem gibt es aber leider einen Spaßvogel, der es wohl für lustig hält, eine der Leuchtstoffröhren im Inneren hauszudrehen, was zu tiefster Finsternis führt. Ich kann die Röhre wieder reindrehen und habe auch kein Problem damit, die Treppe zu nehmen oder in einem unbeleuchteten Aufzug zu fahren. Einem Rollstuhlfahrer bleibt nur die Möglichkeit, sich in die Finsternis zu begeben. Was sind das für Menschen? Sind die einfach dumm, dass sie gar nicht bemerken, was sie da machen, oder sind sie dermaßen asozial, dass sie das auch noch lustig finden. Ich glaube ich hänge mal ein Schild auf und frage denjenigen selber.

Ich jedenfalls, werde weiter die Fahrer ansprechen und die Röhre reinschrauben. Nicht, um der Held aller Rollstuhlfahrer zu werden, sondern, weil ich hoffe, dass ich den ein oder anderen dazu bekomme sein Verhalten zu überdenken. Es ist einfach eine Frage der Höflichkeit, genau so wie ich anderen Leuten die Türe aufhalte, statt sie ihnen vor der Nase zu verschließen.

Update

Inspiriert durch Gernot Hassknecht habe ich ein Schild im Aufzug angebracht. Es entsprach meiner aktuellen Stimmungslage.

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RoomWTH

Johnny Automatic Look it up (openclipart.org)Diese kleine App hilft dabei Chaos in die Raumnamen der RWTH Aachen zu liefern. Sie bietet eine Volltextsuche aller Vorlesungssäle und Seminarräume der RWTH Aachen und offenbart beispielsweise, dass 2356|050 entgegen dem üblichen Schema nicht in Gebäude 2 (Altbau Informatik) auf Etage 3 zu finden ist, sondern die neue Bezeichnung des Hörsaals AH V ist (dieser befindet sich in Gebäude 5). Dazu liefert der RWTH Room Finder die Straßenadresse und kann diese in Google Maps anzeigen.

Was leider noch nicht vorhanden ist, ist ein Übersichtsplan des Gebäudes, um den Raum noch leichter zu finden. Sobald die App stabil läuft, werde ich die RWTH Aachen um eine entsprechende Zusammenarbeit bitten.

Die erste Test-Version ist im Market zu finden. Diese App wird Einzug in die Vorlesung Einführung in eingebettete Systeme halten.

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