Es regt mich auf

Jeden Tag sehe ich behinderte Menschen, die ihr Leben trotz des teils deutlich erhöhten Schwierigkeitsgrads meistern. Den meisten kann man ansehen, dass sie den Widrigkeiten des alltäglichen Lebens mit einer Art gelassener Routine begegnen, die ich mir nicht vorstellen kann aufzubringen. Dämlich platzierte, hohe Bordsteine, Schlaglöcher und unnötige Stufen, die ich kaum Wahrnehme, stellen beispielsweise für Rollstuhlfahrer teils unüberwindbare Hindernisse dar; die meisten lassen sich umfahren, auch wenn ich mir das unglaublich nervig vorstelle.

Um so mehr ärgert es mich, wenn Menschen aus Faulheit oder Dummheit Hindernisse errichten, die auch von einem erfahrenen Rollstuhlfahrer nicht umfahren werden können. Zwei solche Hindernisse treten bei mir auf der Arbeit regelmäßig auf und man kommt sich wie Sisyphus vor, wenn man versucht etwas dagegen zu tun.

Zum einen blockieren LKWs regelmäßig den einzigen barrierefreien Zugang zum Altbau des Informatikzentrums auf der Hörn. Es soll zwar im Haus eine Rampe aufgestellt werden, um drei unseelige Stufen zu entschärfen, aber diese Rampe lässt auf sich warten – seit Jahren; es gab mal ein Provisorium, aber das ist auch wieder verschwunden. Daher bleibt Rollstuhlfahrern, die in die Hörsäle AH I – III oder zu den Informatiklehrstühlen 10 und 11 wollen, nur die Möglichkeit über den Parkplatz zu einem Nebeneingang zu fahren (der im Gegensatz zum Haupteingang keine elektrisch öffnenden Türen hat). Der letzte Teil dieser Strecke ist ein gepflasterter Weg, der ziemlich genau einen LKW breit ist und mehrmals die Woche von eben solchen als Parkplatz missbraucht wird, wie hier:

Es ist besonders schön zu erkennen, dass die Anzahl der alternativen Parkplätze vollkommen irrelevant ist; hier wird aus Gewohnheit und Prinzip geparkt. Wenn man die Fahrer darauf anspricht (selbst jene, die bei der RWTH angestellt sind), dass der Weg jetzt komplett verstopft ist und die Rasenfläche für Rollstuhlfahrer keine Alternative darstellt, kommt immer nur die Ausrede, dass man ja „sofort wieder weg“ sei. Dieses „sofort“ ist übrigens in der Regel 15 bis 20 Minuten lang und der einzige behinderte Student mit dem ich regelmäßigen Kontakt habe, hat mir auch sofort bestätigt, dass er hier schon mehrfach Warten musste, weil der Rasen zu schlammig gewesen sei. Aber selbst wenn der Rasen durch einen Rollstuhl befahrbar ist, kann dies ja wohl kaum die Lösung sein!

Zum anderen Hindernis kommt man, wenn man eben jenen Weg passieren und ins Gebäudeinnere vordringen konnte. Dort gibt es einen Aufzug, der zwar seit Jahr und Tag die merkwürdigsten Geräusche von sich gibt und dessen Türen manchmal erst nach dem dritten Versuch beschließen auch wirklich geschlossen zu bleiben, aber immerhin seine Aufgabe zuverlässig erfüllt. Seit kurzem gibt es aber leider einen Spaßvogel, der es wohl für lustig hält, eine der Leuchtstoffröhren im Inneren hauszudrehen, was zu tiefster Finsternis führt. Ich kann die Röhre wieder reindrehen und habe auch kein Problem damit, die Treppe zu nehmen oder in einem unbeleuchteten Aufzug zu fahren. Einem Rollstuhlfahrer bleibt nur die Möglichkeit, sich in die Finsternis zu begeben. Was sind das für Menschen? Sind die einfach dumm, dass sie gar nicht bemerken, was sie da machen, oder sind sie dermaßen asozial, dass sie das auch noch lustig finden. Ich glaube ich hänge mal ein Schild auf und frage denjenigen selber.

Ich jedenfalls, werde weiter die Fahrer ansprechen und die Röhre reinschrauben. Nicht, um der Held aller Rollstuhlfahrer zu werden, sondern, weil ich hoffe, dass ich den ein oder anderen dazu bekomme sein Verhalten zu überdenken. Es ist einfach eine Frage der Höflichkeit, genau so wie ich anderen Leuten die Türe aufhalte, statt sie ihnen vor der Nase zu verschließen.

Update

Inspiriert durch Gernot Hassknecht habe ich ein Schild im Aufzug angebracht. Es entsprach meiner aktuellen Stimmungslage.

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