Headhunter oder Glückspielhotline

Bundesarchiv, Bild 102-09292 / unbekannt / CC-BY-SA
Bundesarchiv, Bild 102-09292 / unbekannt / CC-BY-SA 3.0

Die Qual einer öffentlichen Lehrstuhlwebseite ist, dass jeder meine Büronummer herausfinden kann – auch Finanzberater und Headhunter. So weit, so nervig.

Während ich Finanzberater, die mehr machen als mich nur zu fragen, ob sie mir ein Angebot machen dürfen, einfach nur nach Name und Firmensitz frage (damit die Wettbewerbszentrale weiß, wohin die Post geht), sind Headhunter zunächst erstmal interessanter – man fühlt sich als junger Wissenschaftler ja auch etwas gebauchpinselt. Was heute allerdings passiert ist, war leider ein absolutes Negativbeispiel und die bisherige Krönung der Aufdringlichkeit.

Eine freundliche Dame meldete sich und fragte direkt, ob sie mich überhaupt informieren dürfe; ich willigte erstmal ein. Es ging um einen gut bezahlen Posten als technischer Leiter im Bereich „Embedded Systems“ – durchaus etwas, was ich mal machen möchte – weshalb ich nicht sofort abwimmelte, sondern meine Arbeitsemailadresse herausgab (auch wenn die Dame eigentlich meine Privatadresse wollte). Statt sich jetzt zu bedanken und mir tolle Emails und Einladungen für ein weiteres Telefongespräch zu schicken – wie ich es bei angenehmeren Headhuntern erlebt habe – fing die Dame an mich zu löchern, obwohl ich gesagt hatte, dass ich gerade keine Zeit hätte. Ab diesem Zeitpunkt schlug die Stimmung von freundlichem Gespräch zu Glücksspielhotline um: ich solle doch noch schnell meine privaten Kontaktdaten angeben, mein genaues Geburtsdatum und den Geburtsort, aktuellen Lebenslauf, etc. pp. An der Stelle habe ich dann das Gespräch beendet.

Die Email enthielt eine Stellenbeschreibung, die zwar verlockend klingt, sich aber mit meinen akutellen Plänen nicht vereinbaren lässt. Nervig war allerdings, dass die Email als „wichtig“ markiert war, was dazu führt, dass sie sofort im Vordergrund aufpoppte und meine Rechner ein wohlklingendes „Ping“ hervorbrachte. Eine Einstellung, die dafür sorgt, dass ich kritische Fehlermeldungen von Servern sofort bemerkte. Ich habe die Dame jetzt aufgefordert mich erstmal nicht weiter zu kontaktieren.

Es wundert mich doch, dass es immer noch Beratungsfirmen gibt, die es nicht verstehen, dass es nicht besonders gut ankommt, wenn man potentiellen Kandidaten gegenüber auftritt, wie Hotlines, die einem Glücksspiel- oder Zeitschriftenabos andrehen wollen, und anschließend so tut, als sei das eigene Angebot der Mittelpunkt der Erde. Vielleicht wird es der Markt oder die Evolution richten.

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