Mauritius 2013

Was für ein wunderbarer Urlaub!

Frisch verheiratet sind meine Frau und ich zu unseren Flitterwochen für 18 Tage nach Mauritius aufgebrochen. Die Anreise mit Air France über Charles de Gaulle verlief absolut problemlos und da in unserer Dreierreihe auch noch ein Platz unbesetzt war, hatten wir erfreulich viel Platz auf unserem ruhigen Flug ins Paradies. Der Transfer zum Hotel war nahezu perfekt organisiert, so dass wir ohne jeglichen Reisestress in unserem Traumhotel, dem Récif Attitude, ankamen und dort bereits von einem Willkommenscocktail erwartet wurden.

Das Hotel

Foto: Steffi Kamin
Foto: Steffi Kamin

Das Récif ist ein kleines, sauberes Hotel ohne großen Luxus. Andere Hotelanlagen sind weitaus protziger und bieten größere Zimmer, aber das Récif punktet mit Sauberkeit, sehr höflichen und zuvorkommenden Angestellten und ausgezeichnetem Essen. Die Hotelzimmer sind in kleinen Gruppen in freistehenden Häusern untergebracht, die ausnahmslos niedriger sind als die umgebenden Palmen. Dieser Eindruck von Natur und Offenheit hat so gar nichts mit der bedrückenden Atmosphäre von geschlossenen Anlagen zu tun. Wunschgemäß erhielten wir ein Zimmer in der ersten Reihe mit Blick auf das Meer fast am Ende der Anlage. Dabei ist das Récif so klein, dass man in weniger als einer Minute vom Zimmer an der Bar ist. Gleichzeitig sind die Gebäude so geschickt versetzt gebaut und mit Büschen umpflanzt, dass die Geräusche nicht bis zu den hinteren Zimmern reichen; hier wird man ausschließlich vom Rauschen des Meeres verwöhnt. Unser Zimmer war recht klein, was uns aber nie gestört hat, da wir hier nur zum Schlafen hergekommen sind und das Zimmer immer sehr ordentlich gereinigt wurde. Überhaupt ist der Service das große Plus. Ein Anruf bei der Bar und wenig später werden ohne Aufpreis die bestellten Getränke und Cocktails aufs Zimmer (auch für den Kühlschrank) oder an den Strand geliefert. Zusätzliche Kissen oder Decken sind so schnell an der Zimmertür, dass es fast unheimlich ist. Und immer trifft man auf freundlich lächelnde Gesichter, so dass die eigene Laune automatisch immer gut ist.

Foto: Steffi Kamin
Foto: Steffi Kamin

Glücklicherweise hatten wir uns für das All-Inclusive-Paket entschieden, denn die Cocktails (alkoholische wie alkoholfreie) sind einfach lecker erfrischend und das Snackangebot so verführerisch und groß, dass es an ein Wunder grenzt, dass wir in diesem Urlaub nicht zugenommen haben. Hervorzuheben ist, dass man kein Bändchen tragen muss! Diese Unart Gästen farbliche Markierungen anzulegen, gibt es hier einfach nicht, obwohl es auch Gäste ohne All-Inclusive-Paket gibt. Alles wird im Computer auf die Zimmernummer gebucht, welche die Angestellten nach wenigen Tagen jedem Gesicht zuordnen können, und beim nächsten Besuch der Bar nebenbei abgezeichnet. Die entspannte Art und Weise wie hier mit Gästen umgegangen wird, sorgt auch für die Entspannung der Gäste selbst – einfach wunderbar. Das Essen ist sehr gut. Jeden Tag. Morgens, mittags und abends, einschließlich der Snacks am Nachmittag1. Ausnahmslos. Und das obwohl mit großer Vielfalt immer wieder neue Gerichte und lokale Spezialitäten angeboten werden. Selbst für den Fall, dass die lokalen Spezialitäten mal nicht dem eigenen Geschmack entsprechen, hat man immer die Möglichkeit auf die normale Speisekarte auszuweichen. Überboten werden diese kulinarischen Genüsse nur durch die Candle-Light-Dinner am Stand – mit den Füßen im Sand – die an Romantik kaum noch zu überbieten sind. Den Aufpreis für solch ein Dinner sollte man auf jeden Fall investieren, ebenso wie die Partnermassagen im hoteleigenen Spa sehr zu empfehlen sind.

Foto: Steffi Kamin
Foto: Steffi Kamin

Auch wenn mir nur wenig die Laune verderben kann, bin ich sonst recht pingelig, was die Qualität von Hotels angeht. Beim Réfic habe ich nichts gefunden, was mich gestört hätte. Zwar dachte ich zwischenzeitlich, dass das Housekeeping nicht ordentlich wischen würde, doch als der fragliche Fleck wieder auftauchte, nachdem ich ihn selber weggemacht hatte, stellte sich heraus, dass ich durch mein unachtsames Lüften einen der vielen Geckos ins Zimmer geholt hatte. Der kleine hat mir eines Abends sogar ein Schlaflied gequakt, bis ich ihn mit einem leichten Rütteln am Nachtisch und etwas Licht zu verstehen gegeben habe, dass es jetzt gut ist; er hat den Rest der Nacht keinen Laut von sich gegeben. Diese Geckos haben zwei Vorteile. Zum einen sind sie sehr scheu und laufen sofort vor Menschen weg, und zum anderen hat man keinen Ärger mit Spinnen oder Insekten. Leider hat meine Frau mir mit Verweis auf die funktionierenden Fliegengitter verboten Geckos in unserer Altbauwohnung auszusetzen.

Am Strand war schließlich ein kleiner Verschlag, in dem ein Unternehmer mit seinen Gehilfen Ausrüstung zum Schnorcheln ausleiht, Glasbodenbootfahrten unternimmt und Tagesausflüge verkauft. Die Leihausrüstung und die Bootsfahrten sind für Hotelgäste kostenlos. Das nahe liegende, fischreiche Riff habe ich fast täglich mit Flossen, Taucherbrille und Schnorchel erkundet.

Etwa jeden zweiten Abend gibt es im Hotel einen kleinen Verkaufsstand mit typischen Angeboten; die Verkäufer sind zuvorkommend aber nicht aufdringlich. An den anderen Tagen gibt es wechselnde Live-Musik. Da der Strand öffentlich ist, sieht man auch gelegentlich Einheimische hier, die das Bild der perfekten Idylle vervollkommnen. Selbst die wenigen fliegenden Händler und Reisevermittler sind kein Bisschen aufdringlich und merken sich, wer nicht gestört werden möchte; es ist fast surreal.

Die Insel

Foto: Steffi Kamin
Foto: Steffi Kamin

Mauritius ist eine unglaublich schöne Insel mit vielen verschiedenen Gesichtern. Der Süden ist kräftig grün und fast urwaldartig. An manchen Küstenstreifen liegt das Riff soweit draußen, dass keine Welle den feinen Sandstrand erreicht. Weiter im Norden, wo wir waren, ist der Sand weniger fein, aber dafür ist die Brandung deutlich näher, so dass man dem wunderbaren Meeresrauschen auf seiner Strandliege im Schatten lauschen kann. Die Landschaft wird dominiert von weiten Zuckerrohrfeldern, die man jedoch auch im Süden findet.

Viele Häuser sind äußerlich in keinem guten Zustand und beim durchfahren der vielen Dörfer sieht man die relative Armut in der große Teile der Bevölkerung leben. Zwar läuft hier alles deutlich gemächlicher als man das aus unseren hocheffizienten Industrieländern gewohnt ist, aber die Menschen scheinen durchweg glücklich sein sein. Obwohl wir mit einem Mietwagen auf eigene Faust die Insel erkundet haben und die verschiedensten Dörfer und Städte besucht haben, haben wir keine Bettler oder Straßenkinder gesehen; nur Schulkinder und arbeitende Menschen. Beim Tanken hat die Managerin den Vorgang überwacht, während der Tankwart den Wunsch „Volltanken“ bis zum letzten Tropfen Benzin gewissenhaft ausführte und der Azubi losgeschickt wurde um Seifenwasser für die verdreckte Windschutzscheibe zu mischen. Auffällig ist auch, dass hier Kirchen, Moscheen und Tempel in direkter Nachbarschaft stehen, es aber keinerlei Sicherheitskräfte bedarf; die Menschen leben scheinbar in paradisischer Harmonie zusammen.

Wer wie ich keinen Linksverkehr gewohnt ist, sollte auf jeden Fall ein Auto mit Automatikschaltung verlangen; das erleichtert das Zurechtkommen ganz enorm. Ein Navigationsgerät ist hilfreich, aber nicht notwendig, wenn man einen Beifahrer hat, der eine Karte lesen kann. Da die Straßen tagsüber sehr voll sind und fast überall nur Tempo 60 oder 80 gilt, kommt man nicht sehr schnell voran. Reisezeiten sollte man daher großzügig planen. Die einzigen Autobahnen führen durch Port Louis und treffen dort auf die zentrale Innenstadtkreuzung. Wer hier sehr früh oder sehr spät durchfährt kann sich leicht eine Stunde im Auto ersparen. Die Tipps unserer Rezeptionistin, wann genau hier Rush-Hour ist, waren Gold wert.

Mit Englisch sind wir überall auf der Insel durchgekommen.

Sir Seewoosagur Ramgoolam Botanical Garden

Foto: Steffi Kamin
Foto: Steffi Kamin

Der in Pamplemousses gelegene Garten beeindruckt durch die atemberaubende Größe der vielen Pflanzen. Man spürt förmlich, wie die Lebenskraft der Natur den Park durchströmt. Den Park kann man problemlos in wenigen Stunden ausführlich besichtigen. Am Haupteingang gibt es viele Führer mit denen man frei Gruppen- und Einzelführungen vereinbaren kann. Dabei sollte man jedoch klar machen, in welchem Tempo und viel lange man den Park besichtigen will; die gut trainierten Führer legen schon mal ein Tempo vor, dass in der gelegentlich feuchten Wärme für frisch angekommene Touristen etwas schnell ist. Man muss hingegen keine Angst haben übervorteilt zu werden.

Casela Nature Park

Foto: Casela Nature Park
Foto: Casela Nature Park

Mein Highlight ist definitiv der Casela Nature Park. Hier sollte man unbedingt jede Ecke erkunden und auch mindestens eine der unglaublich günstigen Safaritouren machen. Diese Touren verlassen den frei begehbaren Bereich des Parks und durchfahren ein Tal voller Vogelstrauße, Zebras und anderer wilder Tiere, die bisweilen sehr nah an den Wagen kommen. Derweil erklärt ein Führer das Reservat und macht Fotos der Gäste. Diese Erinnerungsfotos werden direkt im Anschluss an die Safari aussortiert und auf CD gebrannt, so dass man (abgesehen von Aufnahmen der gesamten Gruppe) der einzige ist, der die eigenen Fotos erhält; dieser wahrhaft vorbildliche Umgang mit Persönlichkeitsrechten passt zu der alles umsorgenden Mentalität der Insel.

Der Park überrascht durch seine extreme Vielfalt, die von beschatteten Vogelvolieren mit freilaufenden Pfauen und Riesenschildkröten bis zu heißen und kargen Hügeln mit ursprünglicher Vegetation reichen.

Foto: Casela Nature Park
Foto: Casela Nature Park

Als Hochzeitsgeschenk habe ich meiner Frau eine VIP-Tour geschenkt. Im Rahmen dieser Tour wurden wir bereits vor Öffnung des Parks eingelassen und zu den Löwen gefahren. Dort hatten wir Glück und durften eine gute halbe Stunde exklusiv mit fünf Löwenbabies spielen und wurden semi-professionell fotografiert und durften auch selber Fotos machen. Normalerweise darf man mit den Löwen nicht so direkt interagieren, auch wenn der Walk with Lions schon deutlich über alles hinausgeht, was man aus europäischen Zoos kennt. Leider darf man sich von den Löwenbabies nicht beklettern lassen (es ist wohl nicht wünschenswert Großkatzen dieses Verhalten anzutrainieren), obwohl diese niedlichen Geschöpfe einfach unglaublich verspielt sind. Überhaupt möglich was dies nur deshalb weil alle fünf Babies von ihren Müttern verstoßen wurden und Handaufzuchten waren: eines war körperlich behindert und die anderen vier haben als aller erster Wurf die junge Mutter einfach überfordert. Zum Schluss durften wir noch die erste Zusammenführung der kleinen mit einer gutmütigen älteren Löwin miterleben. Als die Löwin dabei mit ihrer Körperhaltung klar machte, dass sie ungestört sein will, haben wir das Gehege verlassen und von außen weiter zusehen dürfen. Ein besseres Geschenk für meine Frau hätte ich wohl kaum finden können.

La Vanille Reserve des Mascareignes

Foto: Steffi Kamin
Foto: Steffi Kamin

Dieser Park ist deutlich kleiner als der Casela Park, bietet aber ganz eigene Highlights. Hierzu gehört auf jeden Fall die Fütterung der Krokodile, die im Park als Fleisch- und Lederquelle kommerziell gezüchtet werden und sogar im Restaurant Zum hungrigen Krokodil verspeist werden können; Krokodilfleisch ist etwas Besonderes, aber nichts was ich einem Steak gegenüber bevorzugen würde. Außerdem werden hier Riesenschildkröten gezüchtet. Diese kann man zwar auch im Botanischen Garten und Casela Park sehen, aber nicht in den Mengen und den Größen, die hier frei zugänglich herumlaufen. Die Schildkröten werden übrigens nicht geschlachtet, sondern sind Teil eines Auswilderungsprogramms, das die in freier Wildbahn fast ausgerotteten Tiere auf Mauritius und Réunion wieder ansiedeln will.

Gris-Gris

Foto: Steffi Kamin
Foto: Steffi Kamin

Wer in diesem Sonnenparadies die Steilküsten Schottlands vermisst, sollte nach Gris-Gris fahren. Der südliche Zipfel der Insel stellt einen krassen Kontrast zu den sanften Stränden der restlichen Insel dar. Hier, wo kein Riff die Insel schützt, tost das Meer an einer windigen Steilküste, an der salzverkrustete Felsen (La Roche qui pleure; fußläufig durch einen lichten Wald zu erreichen) und windschiefe Bäume stehen.

Rochester Falls

Foto: Steffi Kamin
Foto: Steffi Kamin

Die mit Abstand abenteurlichste Anreise hatten wir zu den Rochester Falls. Mitten in einem Neubaugebiet geht ein unbefestigter Feldweg zwischen Zuckerrohrfeldern ab und führt den Wagemutigen anhand von selbst gemalten Schildern (die auch schon mal auf dem Kopf stehen, aber dennoch in die richtige Richtung zeigen) rechts, links, rechts, links mitten ins nirgendwo. Dort wartet im Schatten seines kleinen Standes tapfer NAME. Er verdient seinen Lebensunterhalt damit jeden Tag eine Hand voll Touristen die restlichen fünf Minuten zu Fuß durch die Vegetation bis zum Wasserfall zu führen. Dort, abseits aller Straßen und Wege, steht dann auch ein ordentliches, großes, offizielles Schild. Auf dem Weg gibt es zur richtigen Jahreszeit noch frisches Zuckerrohr zu probieren – sehr lecker. Lokale Jugendliche klettern hier in der Hoffnung auf ein paar Münzen den Wasserfall hoch und springen wagemutig in die Tiefe. NAME zeigt dabei die besten Stellen zum Fotografieren und weißt auf kuriose Flora und Fauna wie bunte Spinnen und bei Berührung zusammenrollende Blätter hin. Am oberen Ende des Wasserfalls war auch eine Touristin und ein Polizeiauto zu sehen. Vielleicht gibt es doch einen einfacheren Weg den Wasserfall mit dem Auto zu erreichen.

 Île aux Cerfs

Foto: Steffi Kamin
Foto: Steffi Kamin

Als einzige Gruppenaktivität haben wir einen Ausflug auf die Île aux Cerfs gebucht. Früh morgens (das Hotel hat wie selbstverständlich ein umfassendes Lunchpaket geschnürt), ging es mit dem Bus auf die andere Seite der Insel um von dort mit einem Katamaran die Insel anzusteuern. Die Katamaran fahrt ist wunderbar und in einer kleinen Bucht wird mittags gegrillt und später in Küstennähe für einen Tauchgang festgemacht. Leider gab es auch die Möglichkeit gegen einen Aufpreis Parasailing zu machen, was eine größere Gruppe Japaner so ausgiebig nutzte, dass wir über eine Stunde später als die anderen Boote an der eigentlichen Insel ankamen. Das warme Wasser und den feinen Sand könnten wir daher nur viel zu kurz genießen, bevor wir wieder den Rückweg antreten mussten. Wer auf die Katamaranfahrt verzichten kann, sollte daher überlegen, ob er nicht einen anderen Weg auf die Insel wählt und dann dort mehr Zeit verbringen will.

Black River Gorges National Park

Eine Tour durch den National Park haben wir uns für den nächsten Besuch der Insel aufgespart. Hoffentlich kommt die Zeit bald.

Fazit

Der perfekte Urlaub. Die perfekte Hochzeitsreise.

1 Es gab tatsächlich nur wenige Stunden am Tag an denen es Ausnahmsweise nichts zu essen gab.

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Ägypten 2012

Ägypten ist sehr eindrucksvoll und für mich immer noch sehr fremdartig.

Ende März verschlug es mich und meine bessere Hälfte für eine Woche nach Ägypten, um in der südländischen Sonne bei Meeresrauschen den Alltagsstress hinter uns zu lassen. Unser Hotel war das Beach Albatros Resort, das in meiner Bewertung mit 2 Sternen nicht sonderlich gut wegkommt. Aber es bleibt das Fazit, dass ein toller Strand und Meeresrauschen einfach alles vergessen machen, was so ein Hotelmanager in den Sand setzen kann.

Neben fünf sehr erholsamen Tagen am Meer, für die ich freiwillig zu nachtschlafender Zeit aufgestanden bin, haben wir zwei Ausflüge gemacht. Einen per Taxi nach Hurghada und einen als Teil einer Reisegruppe nach Luxor. Aber der Reihe nach.

You want some change?

Bereits am Flughafen geht es los mit dem Bargeld, den offenen Händen und den Missverständnissen. Genau wie die USA, verlangt Ägypten ein Begrüßungsgeld von Personen, die in das Land einreisen möchten, was uns auch vorher klar war. Wie der Herr am Schalter es allerdings schaffte die $15 in 18€ umzurechnen bei einem Wechselkurs von ~$1,30 = 1€ ist mir bis heute schleierhaft; aber wer gerade in ein anderes Land einreist, nimmt das wohl erstmal hin, gerade wenn die 18€ lauthals an allen Schaltern ausgerufen werden. Wirklich verwirrt war ich aber erst, als mir der Busfahrer eine Hand voller Münzen hinhielt und mich fragte „Want some change?“. Ich war darauf gefasst, dass man Geld von mir haben wollte, aber das man mir Geld anbieten würde? Des Rätsels Lösung ist, dass jeder hier von den Touris Eurmünzen bekommt, aber nur Scheine bei der Bank einzahlen kann. Es resultiert darin, dass man in Ägypten an jeder Ecke einen 50er klein machen kann – in Eurostücke wohlgemerkt. Wir haben schnell gemerkt, dass die Besorgung von ägyptischer Währung in Deutschland nicht nur unnötig, sondern auch teuer war. Ich kann empfehlen in Ägypten immer wieder kleinere Mengen Euros in lokale Währung umzutauschen; in Pfund lässt sich in der Regel immer etwas billiger bezahlen. Umrechnen sollte man aber in jedem Fall: der erste Preisvorschlag für Postkarten, den wir bekommen haben lag bei 3€ pro Karte – das kann man problemlos auf 1€ pro Karte inklusive Briefmarke runterhandeln, aber es braucht einiges an Selbstbewusstsein, um nicht frühzeitig einzuknicken. Ich will gar nicht wissen, wie oft in diesem Urlaub über den Tisch gezogen worden bin.

Noch ein paar Regeln

Niemals etwas entgegennehmen, was man nicht auf jeden Fall kaufen will! An allen touristischen Punkten schwirren Einheimische umher, welche die üblichen Mitbringsel anpreisen. Bei den Ständen wird man zwar sehr einnehmend behandelt (reinkommen, Tee trinken, etc.), so dass man sich fast verpflichtet sieht etwas zu kaufen, aber das geht alles. Was man niemals machen darf, ist den herumlaufenden, standlosen Händlern etwas abzunehmen, was sie in den Händen halten. Die nehmen das nicht zurück! Da kann man noch so entschieden sagen, dass man es nicht will, die nehmen es einfach nicht wieder an. Dann muss man entweder die Chuzpe haben, die Ware vor dem Händler in den Dreck zu legen – ohne zu wissen, was das im kulturellen Kontext jetzt genau bedeutet – oder verzweifelt versuchen einen akzeptablen Preis herauszuhandeln. Ich hatte nicht die Chuzpe, aber zumindest genug Verhandlungsgeschick um den Preis soweit zu drücken, dass auf das gekommen bin, was ich als ortüblichen Preis zuvor erkundet hatte.

Immer ein paar Ägyptische Pfund in Münzen dabei haben, wenn man die Hotelanlage verlässt. Die Klos an den touristischen Punkten sind zwar eigentlich kostenlos, aber im Eingang sitzen immer ein paar Männer, die recht ungehalten reagieren, wenn man ihnen nicht etwas in die Hand gibt. Ich habe zwar nicht erlebt, dass sie jemanden angefasst oder sogar aufgehalten hätten, aber sie werden laut und kommen sehr nah; ich habe lieber immer direkt mein „Toilettenschutzgeld“ abgegeben. Leider funktioniert das nicht wie der Toilettengroschen in Deutschland: die Klos sind fieß – richtig fieß. Im stehen pinkeln geht noch, aber beim Gedanken mich hinsetzen zu müssen wird mir übel. Klopapier bekommt man übrigens nur abgezählt am Eingang bei den Männern mit dem Schutzgeld.

Beeindruckendes Land

So verstörend manche kulturellen Unterschiede anfangs sind und so zurückhaltend und reserviert man selbst zunächst ist, kann man sich der Schönheit Ägyptens einfach nicht entziehen. Sonnenauf- und -untergang in der Wüste sind ein tollen Schauspiel, der Ausblick vom Nil aus auf das Ufer von Luxor beeindruckend und die alten Tempelanlagen schlichtweg überwältigend. Zwischen den monumentalen Statuen und Obelisken, die aus einem einzigen Stück gehauen wurden, kommt man sich fast verloren vor und beginnt zu verstehen, warum vor tausenden von Jahren die Pharaonen als gottgleiche Wesen galten. Diese zeitlosen Zeugnisse von Macht und Reichtum sind um so beeindruckender, wenn man bedenkt, mit welchen einfachen Mitteln sie erbaut wurden.

Internet und so

Bevor ich die Fotos für sich selbst sprechen lassen, noch ein letzter Tipp. Das Internet ist in Ägypten sehr gut ausgebaut und das nicht erst seit dem Arabischen Frühling. Als Tourist lohnt es sich entweder beim heimischen Provider einen Zusatzvertrag für Ägypten abzuschließen (so etwas überhaupt angeboten wird) oder sich einfach in Ägypten eine SIM-Karte für 5€ zu kaufen. Diese muss man dann einfach mit Prepaid-Guthaben aufladen und es kann losgehen. Wenn man jedoch mehr machen will, als nur ein paar Emails abzurufen, was dank der Verbreitung von Smartphones immer mehr zum Regelfall wird, sollte man unbedingt zuvor einen Prepaidtarif aktivieren lassen. Ohne einen solchen Tarif kosten täglich die ersten fünf Megabyte einen Pfund, aber jedes weitere Megabyte darüberhinaus fünf Pfund, was dazu geführt hat, dass mein 25 Pfund Guthaben in schnellster Zeit weg ist. Leider sagen alle Touristenführer immer noch „Mobile Internet is one pound per day“, weil scheinbar noch nicht klar geworden ist, dass es Leute gibt, die deutlich mehr als fünf Megabyte am Tag verbrauchen. Die Prepaid Unlimited Optionen von Mobilnil kosten im Moment zwischen zehn und 150 Pfund im Monat und werden nur verlängert, wenn genug Guthaben auf der Karte ist – man muss also nichts kündigen nach dem Urlaub. Der Unterschied der fünf Tarife ist, ab wann von HSDPA auf GPRS heruntergedrosselt wird. Der billigste Tarif geht nach 55 Megabyte bereits in die Knie, der teuerste stellt 7 GB pro Monat bei voller Bandbreite zur Verfügung. Ich selber habe das 60 Pfund Paket (500 MB) bestellt. Um diese Option zu aktivieren, am besten in einen Mobinil-Laden gehen, einen Einheimischen dazu bringen, der Hotline klar zu machen, dass man einen englischen Operator braucht, oder per Telefon selbst aktivieren. Letzteres geht über GSM-Kommandos: #100*4# anwählen und „Mobile Internet Buckets“ aktivieren. Welche große man haben will, sollte man besten schon von zu Hause abklären.

Ich selber wollte in einem Mobinil-Laden gehen, aber der Taxifahrer hat uns kontinuierlich falsch verstanden. Nachdem wir an zwei Mobinil-Läden erfolgreich vorbeigerauscht sind, kamen wir an dem Hafen an, den wir eigentlich erst danach besuchen wollten. Dort wollte ich dann einen Parfumhändler damit abweisen, dass ich nur eine SIM-Karte bräuchte und er sowas leider nicht hätte. WEIT GEFEHLT! Ab in den Laden, Tee abgeboten bekommen und Parfums präsentiert bekommen, während ein kleiner Junge mit meinem Bargeld quer durch die Stadt rennt, um beim Mobinil-Laden, an dem wir vorbeigefahren sind, drei 25 Pfund Karten holt. Der Ladenbesitzer hat währenddessen mit seinem Telefon mir einen englischsprachigen Operator beschafft, der mir die Tarife vorgestellt hat. Alles aktiviert und – PENG – es klappt. Ganz ander als erwartet, aber es klappt. Meine bessere Hälfte hat währenddessen in der Warenschau, die wir vorgeführt bekommen haben noch ein Tuch gefunden und günstig erstanden – alle sind glücklich.

Am nächsten Tag, als es nach Luxor ging, war ich übrigens sehr froh, dass ich während der insgesamt neun Stunden Busfahrt durch die Wüste fast durchgehend Internet mit HSDPA hatte; ich war wahrscheinlich der am wenigsten gelangweilte Passagier, nachdem die erste Begeisterung für die Wüstenlandschaft abgeklungen war. Seitdem ärgere ich mich allerdings umsomehr, wenn in Aachen das Mobilfunknetz mal wieder spinnt und ich mich abgeschnittener als in der ägyptischen Wüste fühle 😉

Fotos: Steffi Kamin

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Winterkolloquium im Kleinwalsertal

Klick mich! Ich bin animiert.

Zurzeit bin ich nicht im Büro anzutreffen, da ich mit dem Lehrstuhl zum Winterkolloquium ins Kleinwalsertal gefahren bin. Da die Fotos der wissenschaftlichen Vorträge weniger interessant für die Allgemeinheit sind, hier ein paar Impressionen vom Ski-Fahren.

Fotos (c) 2012 by Andreas Derks

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San Francisco 2010

Die erste Station auf unserer dreiwöchigen Tour quer durch die USA war die wunderschöne Stadt San Francisco. Vom Hotel The Mosser aus haben wir jeden Tag die Stadt und die nähere Umgebung erkundet.

Zu unseren Highlights gehören: Pier 39, Die Golden Gate Bridge, Sausalito, Muir Woods, Alcatraz und Carmel by the Sea, wo wir uns am Strand bei Sonnenuntergang verlobt haben (den Sand von dort durch alle Sicherheitskontrollen zu bekommen, war ein Abenteuer für sich).

Fotos: Steffi Kamin

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Hamburg 2011

Eine Woche Hamburg.

Dies war unser zweiter Kurzurlaub an der Elbmetropole. Hamburg ist definitiv die schönste Großstadt Deutschlands und begeistert uns immer wieder. Auf dem Programm standen: Hafen, Hochzeit, Tierpark und Kurztrip nach Sylt. Außerdem haben wir viele tolle, kleine Geschäfte (teils recht weit draußen) besucht.

Hamburg, wir kommen bestimmt wieder.

Fotos: Steffi Kamin

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Brüssel 2011

Unsere Tagestour nach Brüssel hatte zwar mit etwas durchwachsenem Wetter zu kämpfen, war aber dennoch ein sehr schön. Besonders die vielen kleinen Gässchen der Altstadt und der urige Trödelmarkt am Marche aux Puces de Bruxelles haben es uns angetan. Von dort bequem zu Fuß zu erreichen ist auch das sehr zu empfehlende Restaurant Skievelat Sablon, in dem wir sehr gut gegessen haben.

Die An- und Abreise per Thalys lief absolut problemlos.

Fotos: Steffi Kamin

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