Was ist das überhaupt? Die Cloud?

Der hochgehypte Begriff „Cloud“ bedeutet ganz banal, dass Daten auf Servern gespeichert und verarbeitet werden und der daraus entstehende Service über das Internet erreichbar ist.

Im Grund war bereits das Lesen und Schreiben von E-Mails über Dienste wie GMX oder web.de in den 90ern Cloud-Computing. Wirklich interessant wurde das Konzept aber erst durch die starke Integration in Geräte und Arbeitsabläufe in den letzten Jahren. Dropbox und Google Drive synchronisieren beispielsweise alle Daten in einem speziellen Verzeichnis mit den Serverfarmen dieser Firmen. Ändert man eine Datei auf dem PC, ändert sich Datei in der Cloud und damit auch auf allen anderen PCs, die mit diesem Benutzerkonto verbunden sind; letzteres ist der eigentliche Clou. Adressbücher in Firmen werden heutzutage meist zentral geführt, so dass alle Mitarbeiter auf Kontaktdaten von Kollegen und Geschäftspartnern zugreifen können, sobald die Sekretärin die Daten der Visitenkarte ins System einträgt. Noch wichtiger im Alltag sind gemeinsame Terminkalendersysteme, die sogar Ressourcen wie Besprechungsräume automatisch zuweisen können. Wenn man die Einladung eines Kollegen auf dem PC angenommen hat, steht diese augenblicklich auch im Kalender des Smartphones, eben weil es der gleiche Kalender ist und die Cloud dafür sorgt, dass überall die gleichen Informationen zur Verfügung stehen. Aber auch die Kontakte von privaten Smartphonebesitzern landen in der Cloud und sind nach einem Gerätewechsel sofort wieder verfügbar, wenn man nicht die Cloud wechselt (beispielsweise von Apple (iOS) zu Google (Android) oder umgekehrt). Durch beliebig komplexe Rechtesysteme, kann außerdem detailliert festgelegt werden, wer auf welche Daten zugreifen oder diese sogar verändern kann – häufig ohne Detailwissen der Endnutzer.

Hinzu kommen immer weitere Dienste: Evernote, Microsoft OneNote und Google Keep bieten digitale Notizzettel an, die weit über das hinausgehen, was man von Papier und Bleistift gewohnt ist. Von der automatischen Erkennung von Handschriften und Visitenkarten bis hin zu Präsentationen können diese Programme eine ganze Menge bieten. Selbst ganze Programmsuiten wie Office gibt es in der Cloud. Natürlich stehen hier die Dateien über die Cloud auf allen Endgeräten zur Verfügung, aber darüber hinaus können sogar mehrere Autoren gleichzeitig einen Text bearbeiten. Das mag zunächst gewöhnungsbedürftig erscheinen, kann jedoch unglaublich praktisch sein, wenn das Team minimale Disziplin an den Tag legt. Musik- und Videodateien, die in der Cloud liegen, kann man, den passenden Cloud-Player vorausgesetzt, direkt auf einer Webseite abspielen ohne die Daten auf das eigene Gerät herunterladen zu müssen.

Nur die Spitze des Eisbergs

Endanwender sehen in der Regel nur die oben beschriebene Spitze des Eisbergs, die man „Software as a Service“ nennt. Man muss die Software nicht mehr selber auf einem Rechner installieren und laufen lassen, sondern benötigt nur noch einen Webbrowser wie Firefox oder Chrome. Bei GMX und web.de benötigte man bereits in den 90ern kein E-Mailprogramm, sondern konnte direkt auf der Webseite E-Mails schreiben und lesen. Aber selbst, wenn man ein E-Mailprogramm benutzen wollte, musste man zumindest den Mailserver nicht selber betreiben. Diese Vorteile sind nur den allerwenigsten Menschen überhaupt bewusst, da zuvor E-Mail in der breiten Bevölkerung so gut wie unbekannt waren.

Unter dieser Ebene kommen noch „Platform as a Service“ und „Infrastructure as a Service“, die hauptsächlich an Firmen und professionelle Anwender vermarktet werden und für diesen Beitrag nicht weiter wichtig sind; ich gehe in Folgebeiträgen darauf ein.

Alles kostenlos?

Viele Cloud-Dienste kann man gratis im Internet nutzen. Wer ein Smartphone hat, nutzt diese Dienste wahrscheinlich ohne sich dessen bewusst zu sein. Mit der Anmeldung bei Google oder Apple werden die Kontaktdaten des Telefons automatisch in der Cloud gesichert, ebenso der Kalender. Wem das nicht bewusst ist, der hat bei der Einrichtung des Smartphones ohne zu lesen auf „weiter“ geklickt oder diese direkt dem Familien-IT-Verantwortlichen übertragen. Die Betriebssysteme erklären inzwischen recht detailliert, welche Daten übertragen werden und erlauben hier auch eine gewisse Steuerung; bei Apps ist das nicht immer so vorbildlich umgesetzt.

Seit einiger Zeit bereits werden auf Android-Smartphones sogar Daten einzelner Apps automatisch bei Google Drive gesichert, so dass beim Wechsel auf ein neues Smartphone beispielsweise die alten Whatsapp-Nachrichten mitkommen, ohne dass der Benutzer sie manuell kopieren muss. Überraschen ist dabei, dass die Daten nicht bei Whatsapp liegen, sondern bei Google, obwohl Whatsapp von Facebook, das mit Google in Konkurrenz steht, gekauft wurde. Bei so viel Komfort und verschiedenen Diensten stellt sich die Frage, wer am Ende die Hardware und die Programmierer bezahlt, die im Hintergrund werken. Die Antwort lautet meist „die Werbekunden“ oder „die professionellen Benutzer“.

Google durchsucht fleißig jeden Informationsfetzen, den es in die Finger bekommt, und kategorisiert und katalogisiert Tag und Nacht. Das Ergebnis ist ein Profil des Benutzers, dass es Google erlaubt, Werbung zielgenau zu platzieren; das ist sehr viel bares Geld wert. Google ist aber nicht alleine; Payback basiert vollkommen darauf Kundendaten zu sammeln und zu analysieren. Und wer glaubt, dass es da ja nicht viel herauszufinden gäbe: das US-Unternehmen Target hat unbeabsichtigt einem werdenden Großvater darauf hingewiesen, dass seine Tochter schwanger ist. Die Tochter hatte vermehrt bestimmte Produkte gekauft, was bereits ausreichte, um Target zu verraten, dass sie wahrscheinlich schwanger war und zwar in welchem Monat!

“My daughter got this in the mail!” he said. “She’s still in high school, and you’re sending her coupons for baby clothes and cribs? Are you trying to encourage her to get pregnant?”

Alternativ gibt es von vielen Diensten Pro-Versionen, die Geld kosten und mehr Funktionen und / oder mehr Speicherplatz zur Verfügung stellen. Damit können die Firmen genug Geld verdienen, um auch die kostenlosen Nutzer zu versorgen. Allerdings gibt es dieses Modell nur ganz selten ohne die gleichzeitige Analyse für Werbekunden; Details verraten die Datenschutzbestimmungen, die man tatsächlich lesen sollte.

Datenschutz und Sicherheit

Wer nicht möchte, dass seine Daten für Werbekunden, politische Parteien oder andere zahlungskräftige Kundschaft analysiert werden, muss sich damit abfinden, dass diese praktischen Dienste immer etwas kosten: Entweder Geld oder die Privatsphäre. Hinzu kommt, dass ausländische Geheimdienste sehr einfach an diese Daten kommen. Insbesondere in den USA sind Ausländer deutlich schlechter Geschützt. Zwar hat das US-Justizministerium vor Gericht verloren, als sie auf Microsoft Server in Irland zugreifen wollten, jedoch hat Google gerade einen ähnlichen Fall verloren. Endgültig wird diese Fragestellung erst vom Supreme Court geregelt werden, aber selbst dann kann die Legislative einfach das Gesetz ändern. Außerdem geht es nur darum, ob US-Firmen die Daten sofort herausgeben müssen, oder ob US-Behörden zunächst internationale Rechtshilfe beantragen müssen und US-Firmen die Daten dann an lokale Behörden weitergeben. Der irische Datenschutz ist nicht gerade dafür bekannt, besonders streng zu sein, ganz im Gegensatz zum deutschen Datenschutz.

Für meine Cloud habe ich mich daher entschieden, die Daten in Deutschland bei einer deutschen Firma zu speichern. Zwar könnte man die Daten auch zu Hause auf einem Mini-Server speichern, aber das kommt für mich nicht in Frage. Zum einen ist meine Internetverbindung in Uploadrichtung nicht wirklich schnell, was das Herunterladen von Daten unterwegs unglaublich verlangsamen würde; zum anderen ist es Arbeit einen Server immer auf dem aktuellen Stand der Technik, insbesondere in Sicherheitsfragen, zu halten. Bei einem professionellen Hoster, habe ich beide Probleme nicht. Wenn ich mir vorstelle, wie viel Zeit mich das eigenhändige Administrieren kosten würde, und das mit den monetären Kosten des Hosters vergleiche, kommt dabei ein Stundenlohn zusammen, für den ich meine Freizeit einfach nicht opfern will.

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Willkommen zu Hause

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Meine Daten sind endlich umgezogen. Es ging ans andere Ende der Republik, genauer nach Dresden in ein schickes Rechenzentrum. Zuvor waren sie allerdings über die ganze Welt verteilt. Vielleicht lagerten sie in den USA, vielleicht in Irland oder auch in Deutschland; so genau kann ich das selbst als Informatiker nicht sagen. Google, Dropbox, Microsoft und etliche kleinere Firmen, die ich jedoch mehr experimentell genutzt hatte, überantwortete ich meine Daten. Es war bequem und kostenlos und der Kontrollverlust leicht zu ignorieren. Zwischenzeitlich haben sich die Lösungen für Privatanwender jedoch massiv weiterentwickelt, so dass es kein Problem mehr ist, alle diese Dienste selber zu betreiben.

In den folgenden Blog-Posts beschreibe ich, was sich mit einer eigenen Cloud alles machen lässt. Dazu gibt es einfache Anleitungen und technische Erklärungen für alle, die es mir gleich tuen möchten.

Posts, deren Titel mit „Was ist das überhaupt?“ beginnen, erklären Funktionen und Technik. Da ich meine Cloud auch meiner Familie zur Verfügung stelle, sind diese Beiträge so geschrieben, dass jeder sie mit minimalem technischen Vorwissen verstehen kann.

Posts, deren Titel mit „Wie geht das überhaupt?“ beginnen, erklären technische Details und enthalten Anleitungen für die eigene Umsetzung. Mit etwas Technikaffinität und Google sollten auch diese Beiträge ohne Informatikstudium verständlich sein.

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