Ägypten 2012

Ägypten ist sehr eindrucksvoll und für mich immer noch sehr fremdartig.

Ende März verschlug es mich und meine bessere Hälfte für eine Woche nach Ägypten, um in der südländischen Sonne bei Meeresrauschen den Alltagsstress hinter uns zu lassen. Unser Hotel war das Beach Albatros Resort, das in meiner Bewertung mit 2 Sternen nicht sonderlich gut wegkommt. Aber es bleibt das Fazit, dass ein toller Strand und Meeresrauschen einfach alles vergessen machen, was so ein Hotelmanager in den Sand setzen kann.

Neben fünf sehr erholsamen Tagen am Meer, für die ich freiwillig zu nachtschlafender Zeit aufgestanden bin, haben wir zwei Ausflüge gemacht. Einen per Taxi nach Hurghada und einen als Teil einer Reisegruppe nach Luxor. Aber der Reihe nach.

You want some change?

Bereits am Flughafen geht es los mit dem Bargeld, den offenen Händen und den Missverständnissen. Genau wie die USA, verlangt Ägypten ein Begrüßungsgeld von Personen, die in das Land einreisen möchten, was uns auch vorher klar war. Wie der Herr am Schalter es allerdings schaffte die $15 in 18€ umzurechnen bei einem Wechselkurs von ~$1,30 = 1€ ist mir bis heute schleierhaft; aber wer gerade in ein anderes Land einreist, nimmt das wohl erstmal hin, gerade wenn die 18€ lauthals an allen Schaltern ausgerufen werden. Wirklich verwirrt war ich aber erst, als mir der Busfahrer eine Hand voller Münzen hinhielt und mich fragte „Want some change?“. Ich war darauf gefasst, dass man Geld von mir haben wollte, aber das man mir Geld anbieten würde? Des Rätsels Lösung ist, dass jeder hier von den Touris Eurmünzen bekommt, aber nur Scheine bei der Bank einzahlen kann. Es resultiert darin, dass man in Ägypten an jeder Ecke einen 50er klein machen kann – in Eurostücke wohlgemerkt. Wir haben schnell gemerkt, dass die Besorgung von ägyptischer Währung in Deutschland nicht nur unnötig, sondern auch teuer war. Ich kann empfehlen in Ägypten immer wieder kleinere Mengen Euros in lokale Währung umzutauschen; in Pfund lässt sich in der Regel immer etwas billiger bezahlen. Umrechnen sollte man aber in jedem Fall: der erste Preisvorschlag für Postkarten, den wir bekommen haben lag bei 3€ pro Karte – das kann man problemlos auf 1€ pro Karte inklusive Briefmarke runterhandeln, aber es braucht einiges an Selbstbewusstsein, um nicht frühzeitig einzuknicken. Ich will gar nicht wissen, wie oft in diesem Urlaub über den Tisch gezogen worden bin.

Noch ein paar Regeln

Niemals etwas entgegennehmen, was man nicht auf jeden Fall kaufen will! An allen touristischen Punkten schwirren Einheimische umher, welche die üblichen Mitbringsel anpreisen. Bei den Ständen wird man zwar sehr einnehmend behandelt (reinkommen, Tee trinken, etc.), so dass man sich fast verpflichtet sieht etwas zu kaufen, aber das geht alles. Was man niemals machen darf, ist den herumlaufenden, standlosen Händlern etwas abzunehmen, was sie in den Händen halten. Die nehmen das nicht zurück! Da kann man noch so entschieden sagen, dass man es nicht will, die nehmen es einfach nicht wieder an. Dann muss man entweder die Chuzpe haben, die Ware vor dem Händler in den Dreck zu legen – ohne zu wissen, was das im kulturellen Kontext jetzt genau bedeutet – oder verzweifelt versuchen einen akzeptablen Preis herauszuhandeln. Ich hatte nicht die Chuzpe, aber zumindest genug Verhandlungsgeschick um den Preis soweit zu drücken, dass auf das gekommen bin, was ich als ortüblichen Preis zuvor erkundet hatte.

Immer ein paar Ägyptische Pfund in Münzen dabei haben, wenn man die Hotelanlage verlässt. Die Klos an den touristischen Punkten sind zwar eigentlich kostenlos, aber im Eingang sitzen immer ein paar Männer, die recht ungehalten reagieren, wenn man ihnen nicht etwas in die Hand gibt. Ich habe zwar nicht erlebt, dass sie jemanden angefasst oder sogar aufgehalten hätten, aber sie werden laut und kommen sehr nah; ich habe lieber immer direkt mein „Toilettenschutzgeld“ abgegeben. Leider funktioniert das nicht wie der Toilettengroschen in Deutschland: die Klos sind fieß – richtig fieß. Im stehen pinkeln geht noch, aber beim Gedanken mich hinsetzen zu müssen wird mir übel. Klopapier bekommt man übrigens nur abgezählt am Eingang bei den Männern mit dem Schutzgeld.

Beeindruckendes Land

So verstörend manche kulturellen Unterschiede anfangs sind und so zurückhaltend und reserviert man selbst zunächst ist, kann man sich der Schönheit Ägyptens einfach nicht entziehen. Sonnenauf- und -untergang in der Wüste sind ein tollen Schauspiel, der Ausblick vom Nil aus auf das Ufer von Luxor beeindruckend und die alten Tempelanlagen schlichtweg überwältigend. Zwischen den monumentalen Statuen und Obelisken, die aus einem einzigen Stück gehauen wurden, kommt man sich fast verloren vor und beginnt zu verstehen, warum vor tausenden von Jahren die Pharaonen als gottgleiche Wesen galten. Diese zeitlosen Zeugnisse von Macht und Reichtum sind um so beeindruckender, wenn man bedenkt, mit welchen einfachen Mitteln sie erbaut wurden.

Internet und so

Bevor ich die Fotos für sich selbst sprechen lassen, noch ein letzter Tipp. Das Internet ist in Ägypten sehr gut ausgebaut und das nicht erst seit dem Arabischen Frühling. Als Tourist lohnt es sich entweder beim heimischen Provider einen Zusatzvertrag für Ägypten abzuschließen (so etwas überhaupt angeboten wird) oder sich einfach in Ägypten eine SIM-Karte für 5€ zu kaufen. Diese muss man dann einfach mit Prepaid-Guthaben aufladen und es kann losgehen. Wenn man jedoch mehr machen will, als nur ein paar Emails abzurufen, was dank der Verbreitung von Smartphones immer mehr zum Regelfall wird, sollte man unbedingt zuvor einen Prepaidtarif aktivieren lassen. Ohne einen solchen Tarif kosten täglich die ersten fünf Megabyte einen Pfund, aber jedes weitere Megabyte darüberhinaus fünf Pfund, was dazu geführt hat, dass mein 25 Pfund Guthaben in schnellster Zeit weg ist. Leider sagen alle Touristenführer immer noch „Mobile Internet is one pound per day“, weil scheinbar noch nicht klar geworden ist, dass es Leute gibt, die deutlich mehr als fünf Megabyte am Tag verbrauchen. Die Prepaid Unlimited Optionen von Mobilnil kosten im Moment zwischen zehn und 150 Pfund im Monat und werden nur verlängert, wenn genug Guthaben auf der Karte ist – man muss also nichts kündigen nach dem Urlaub. Der Unterschied der fünf Tarife ist, ab wann von HSDPA auf GPRS heruntergedrosselt wird. Der billigste Tarif geht nach 55 Megabyte bereits in die Knie, der teuerste stellt 7 GB pro Monat bei voller Bandbreite zur Verfügung. Ich selber habe das 60 Pfund Paket (500 MB) bestellt. Um diese Option zu aktivieren, am besten in einen Mobinil-Laden gehen, einen Einheimischen dazu bringen, der Hotline klar zu machen, dass man einen englischen Operator braucht, oder per Telefon selbst aktivieren. Letzteres geht über GSM-Kommandos: #100*4# anwählen und „Mobile Internet Buckets“ aktivieren. Welche große man haben will, sollte man besten schon von zu Hause abklären.

Ich selber wollte in einem Mobinil-Laden gehen, aber der Taxifahrer hat uns kontinuierlich falsch verstanden. Nachdem wir an zwei Mobinil-Läden erfolgreich vorbeigerauscht sind, kamen wir an dem Hafen an, den wir eigentlich erst danach besuchen wollten. Dort wollte ich dann einen Parfumhändler damit abweisen, dass ich nur eine SIM-Karte bräuchte und er sowas leider nicht hätte. WEIT GEFEHLT! Ab in den Laden, Tee abgeboten bekommen und Parfums präsentiert bekommen, während ein kleiner Junge mit meinem Bargeld quer durch die Stadt rennt, um beim Mobinil-Laden, an dem wir vorbeigefahren sind, drei 25 Pfund Karten holt. Der Ladenbesitzer hat währenddessen mit seinem Telefon mir einen englischsprachigen Operator beschafft, der mir die Tarife vorgestellt hat. Alles aktiviert und – PENG – es klappt. Ganz ander als erwartet, aber es klappt. Meine bessere Hälfte hat währenddessen in der Warenschau, die wir vorgeführt bekommen haben noch ein Tuch gefunden und günstig erstanden – alle sind glücklich.

Am nächsten Tag, als es nach Luxor ging, war ich übrigens sehr froh, dass ich während der insgesamt neun Stunden Busfahrt durch die Wüste fast durchgehend Internet mit HSDPA hatte; ich war wahrscheinlich der am wenigsten gelangweilte Passagier, nachdem die erste Begeisterung für die Wüstenlandschaft abgeklungen war. Seitdem ärgere ich mich allerdings umsomehr, wenn in Aachen das Mobilfunknetz mal wieder spinnt und ich mich abgeschnittener als in der ägyptischen Wüste fühle 😉

Fotos: Steffi Kamin

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