EDGE country dank congstar LTE-Falle

Selbst als Technik-Freak kann man bei congstar in die Falle tappen und steht am Ende ohne LTE da.

Mein Oneplus 3 ist ein Dual-SIM Handy. Das heißt, ich kann zwei SIM-Karten parallel nutzen und das wollte ich jetzt auch tun. Nach einem längeren Test mit einer ungenutzten ALDI-Talk SIM war ich mir sicher, dass die Umsetzung auch tatsächlich so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe: man merkt quasi nicht, dass man zwei SIM-Karten nutzt, wenn man die wenigen Einstellungen richtig gemacht hat.

Da alle Tests erfolgreich waren, habe ich meinen 3 GB Smartphone-Tarif bei congstar auf einen Telefontarif ohne Grundgebühr umgestellt und gleichzeitig einen neuen 5 GB Daten-Tarif gebucht. Der Daten-Tarif kostet das gleiche, kann aber nicht telefonieren. Zusammen mit dem Telefontarif wären das dann 2 GB gratis im Monat. Die 30€ Anschlussgebühr ließ sich nach zwei Minuten Google durch einen 40€ Gutschein problemlos überkompensieren. Es war wohl doch zu schön um wahr zu sein.

Mir war leider nicht klar, dass die Telekom zwischenzeitlich bei congstar massiv die Daumenschrauben angezogen hat. Seitdem muss man bei congstar anklicken, dass man Privatkunde ist und man bekommt keinen Zugriff mehr auf das LTE-Netz. Ersteres war mir egal, letzteres war nicht zu erkennen, da die Werbeklauseln sich nicht geändert hatten. In der Tat war mein alter Tarif wohl nur aus Zufall oder Kulanz oder aufgrund technischer Gegebenheiten beim Vertragsabschluss überhaupt in der Lage ins LTE-Netz zu kommen. Für mich als langjähriger Kunde, war das allerdings inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass selbst c’t-Redakteure in die congstar LTE-Falle getappt sind [ab 41:25].

Wer jetzt noch per congstar LTE bekommt, sollte nur ganz vorsichtig den Vertrag umstellen!

We can’t stop here, this is EDGE country!

Die Festlegung auf LTE ist dabei wichtiger als man allgemein vermuten mag. Das deutsche Mobilfunknetz besteht derzeit aus drei parallel laufenden Technologien:

  • 2G ist das gute alte GSM mit schnarchlangsamem Internet per GPRS und EDGE.
  • 3G ist umfasst Techniken wie HSDPA, HSUPA, HSPA.
  • 4G ist LTE in seinen verschiedenen Geschmacksrichtungen, von denen viele für den Endkunden meist nicht so relevant sind (Spezialtechnik für Verbrauchsmesser in Kellern oder Batteriebetriebene Sensoren). In der Regel wird LTE alle paar Jahre wieder ein Stück schneller.

Mein congstar Tarif war schon vor der Umstellung auf 21 Mbit/s eingeschränkt, obwohl selbst das von der Telekom verwendete HSPA+ bis zu 42 Mbit/s schafft. Diese Einschränkung ist vollkommen OK! Ich will nur sehr selten große Datenmengen mobil herunterladen. LTE bietet aber mehr als nur höhere Datenraten: es liefert bedeutend schnellere Reaktionszeiten und eine viel bessere Netzabdeckung. Um sicherzustellen, dass auch sehr alte Handys und vernetzte Geräte immer ins Netz kommen, bauen die deutschen Mobilfunkanbieter das 2G Netz nicht ab. Stattdessen findet der Ausbau von 4G auf Kosten von 3G statt. In immer mehr Gegenden fällt die mobile Internetverbindung dann ohne Vorwarnung auf EDGE zurück und selbst eine einfache Google-Suche nach guten Restaurants in der Umgebung wird zu einer Qual, weil der Mobilfunkturm in Sichtweite nur noch 2G und 4G aussendet. Aber selbst wenn 3G verfügbar ist, merkt man nach LTE-verwöhnten Jahren den unterschied doch deutlich! Webseiten laden viel langsamer – nicht aufgrund der Bandbreite, sondern aufgrund der Signallaufzeiten. Bevor über 3G die Verbindung zum Server hergestellt wurde, hat 4G die Daten schon heruntergeladen.

Der Versuch den Vertragswechsel rückgängig zu machen ist erwartungsgemäß gescheitert. Ich versuche jetzt mein Glück mit ALDITALK. So gut wie das Telekom-LTE-Netz wird es sicherlich nicht sein, aber hoffentlich besser als das EDGE-Drama. Es macht sich doch immer wieder bezahlt, Verträge nur noch mit monatlicher Laufzeit abzuschließen.

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